Vermerk der Bedarfsstelle vom 21.04.2026:
1. Aktuelle Situation / Vorgaben ÄLRD
Im Rettungsdienst der Stadt Gelsenkirchen werden seit mehr als 15 Jahren Patientenmonitor-/Defibrillationssysteme der Firma Corpuls im gesamten Rettungsdienstbereich eingesetzt. Sämtliche Strukturen, Prozesse sowie die technische Infrastruktur sind auf diese Systemplattform ausgerichtet und wurden kontinuierlich fortentwickelt. Alle Mitarbeiter wurden stets durch die Ärztliche Leitung Rettungsdienst der Stadt Gelsenkirchen begleitet und bewertet.
2. Telenotarztsystem
Darüber hinaus ist der Auftraggeber aktiver Bestandteil eines regionalen Telenotarztnetzwerks (TNA-System "Mittleres Ruhrgebiet"), dessen technische Infrastruktur ebenfalls nach einer gemeinsamen Erhebung im Jahr 2023 auf dieser Systemlösung basiert und sich aktuell im Aufbau befindet. Die vorhandenen Geräte sind hierbei unmittelbar in die telemedizinischen Prozesse eingebunden und gewährleisten eine zuverlässige Kommunikation mit der Telenotarztzentrale. Eine Umstellung auf ein alternatives System würde eine grundlegende Anpassung oder einen vollständigen Austausch dieser gewachsenen Infrastruktur erforderlich machen und die Funktionsfähigkeit des bestehenden Netzwerks zumindest vorübergehend erheblich beeinträchtigen.
3. Bestand / Strukturen / Vorgaben / Leistung
Im Bestand des Auftraggebers befinden sich zudem bereits fünf ersatzbeschaffte, systemkompatible Geräte (Jahr 2024), die für den Einsatz im Telenotarztsystem vorgesehen sind und entsprechend ertüchtigt werden müssen. Eine Ersatzbeschaffung dieser Geräte ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich.
Gleichzeitig ist der Parallelbetrieb unterschiedlicher Gerätesysteme innerhalb eines einheitlichen Einsatzbereichs aus Gründen der Patientensicherheit, der Standardisierung von Abläufen sowie der Vermeidung von Bedienfehlern auszuschließen. Unterschiedliche Bedienlogiken, divergierende Schnittstellen sowie abweichende Funktionalitäten würden die Einsatzkräfte zusätzlich belasten und die Fehleranfälligkeit in zeitkritischen Notfallsituationen erhöhen.
Die aktuell eingesetzten Systeme zeichnen sich durch ein spezifisches Gerätekonzept aus, das eine physische Trennung in mehrere funktionale Einheiten für Monitoring, Anzeige und Therapie ermöglicht. Diese Systemarchitektur erlaubt ein unterbrechungsfreies Monitoring auch bei räumlicher Trennung einzelner Komponenten, beispielsweise bei Patiententransporten über mehrere Etagen oder unter beengten räumlichen Bedingungen.
Zudem wird eine parallele Nutzung durch mehrere Anwender ermöglicht, was insbesondere im Zusammenwirken von Notarzt und Rettungsfachpersonal von erheblicher Bedeutung ist. Im Rahmen einer durchgeführten Marktbetrachtung konnte festgestellt werden, dass derzeit kein anderer Hersteller ein vollständig gleichwertiges System mit einer derartigen dreifachen, unabhängig betreibbaren Funktionstrennung und vergleichbarer Einsatzflexibilität anbietet.
4. Gebietsschutz
Anfang des Jahres 2026 ist die Firma Esser, als Generalvertrieb Region West, an die Firma Corpuls Deutschland übergegangen.
Die Firma Corpuls verfügt über eine etablierte Vertriebs- und Serviceorganisation mit regional fest zugeordneten Zuständigkeiten. Diese Struktur, Gebietsschutz, gewährleistet eine zuverlässige Betreuung, kurze Reaktionszeiten im Servicefall sowie eine kontinuierliche Weiterentwicklung der bestehenden Systemlösungen im Einklang mit den Anforderungen des Rettungsdienstes. Die nachweislich erbrachte Reaktionszeit von einem Tag ermöglicht eine umfassende Sicherstellung der hoheitlichen Aufgabe "Rettungsdienst" bei Ausfall eines Gerätes. Die bestehende Gebietsstruktur im Service- und Vertriebsbereich trägt zusätzlich zur Sicherstellung eines stabilen und planbaren Betriebs bei.
5. Marktanalyse
Ein Wechsel des Systems würde neben erheblichen Investitionskosten (Fahrzeugumbauten Halterungen, Schulungsaufwand Mitarbeiter) für die Neubeschaffung der Geräte auch umfangreiche Folgekosten nach sich ziehen. Hierzu zählen insbesondere die Anpassung oder der Ersatz bestehender technischer Infrastruktur, die vollständige Neuschulung des Personals sowie die Umstellung der telemedizinischen Systeme.
Diese Aufwände stehen in keinem wirtschaftlich vertretbaren Verhältnis zu einem möglichen Nutzen eines alternativen Systems, zumal gleichwertige funktionale Eigenschaften, insbesondere im Hinblick auf die modulare Systemarchitektur, derzeit am Markt nicht verfügbar sind.
Gleichwertige Alternativen wurden geprüft, erfüllen jedoch die spezifischen Anforderungen der ärztlichen Leitung Rettungsdienst nicht in vergleichbarer Weise.
6. Folgende Qualitätsmerkmale (ÄLRD) sind ausschlaggebend und wurden marktechnisch analysiert:
a. 22-Kanal EKG
Ein zentrales Leistungsmerkmal ist die Möglichkeit der EKG-Darstellung im 22-Kanal-Modus, welche eine deutlich erweiterte präklinische kardiologische Diagnostik ermöglicht. Insbesondere bei komplexen kardialen Ereignissen kann hierdurch eine frühzeitige und differenzierte Einschätzung erfolgen, die eine zielgerichtete Therapieentscheidung sowie eine optimierte klinische Weiterversorgung unterstützt. Ergänzend hierzu ermöglicht die gleichzeitige Darstellung von bis zu sechs Ableitungen untereinander im Display eine verbesserte visuelle Beurteilung von Rhythmusverläufen und Ischämiezeichen unter Einsatzbedingungen. Nach fachlich-medizinischer Prüfung durch die ÄLRD Rettungsdienst wurde dieses System als Voraussetzung bestimmt.
b. Integration Versichertenkartelesegerät
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil ist der integrierte Versichertenkartenleser, welcher eine strukturierte und fehlerreduzierte Patientenidentifikation unmittelbar am Einsatzort ermöglicht. Dies führt zu einer signifikanten Reduktion administrativer Fehlerquellen und unterstützt eine rechtssichere sowie medienbruchfreie Dokumentation im weiteren Behandlungsverlauf. Als Ausfallebene für die digitale rettungsdienstliche Protokollierung ist dieses System a